Mit der Natur arbeiten

Jan & Eva Meyerhoff über ihre Leidenschaft für den Ökolandbau

Jan und Eva haben vier Kinder: Marit (11), August (9), Lotta (8) und Jorti (6). Als wir zum Interview kommen, sind auch noch ihre Freunde Aimée und Carlo da. Und während Eva Kaffee und Kuchen holt, erzählen die Kinder munter drauflos:

von der Waldorfschule, in die sie gehen, dass sie da schon um 6.30 Uhr aufstehen müssen, wie toll es auf einem Bauernhof ist, dass es zwei Ponys und ein großes schweres Pferd gibt, das „Stokrotka“ heißt – das ist polnisch und bedeutet übersetzt „Gänseblümchen“. Und dass neben Oma und Opa auch noch andere nette Leute auf dem Hof wohnen. Als Eva mit dem Kuchen da ist, stoppt das den Redestrom der Kinder schlagartig.

„Unser Bauernhof, der Oesenhof, ist ein typischer Heidehof, wie es sie früher häufig gab, mit Schweinen, Hühnern, Kühen und vielfältigem Ackerbau. Auf unserem Hof wohnen insgesamt 14 Personen. Neben drei Mietparteien und unserer Familie leben auch die Eltern von Jan auf dem Hof. Herbert, mein Schwiegervater, arbeitet auf dem Hof mit und versorgt alle Tiere. Susi, meine Schwiegermutter, kocht oft für alle. Es klappt zwischen den Generationen sehr gut – das ist ein großes Glück. Ohne die Eltern von Jan wäre Vieles bedeutend schwieriger“, erzählt Eva.



Ökologisch bewirtschaftet seit 1997

Seit 1997 wird der Hof ökologisch bewirtschaftet. Vor rund 50 Jahren wurde das Milchvieh abgeschafft und seitdem Mutterkühe gehalten. Schon damals wurde das Grünland auf ökologische Bewirtschaftung umgestellt. Als Jan den Betrieb übernahm, wurde das verpachtete Ackerland zurückgenommen und der gesamte Betrieb auf Biolandbau umgestellt. Der jetzige Schwerpunkt ist der Ackerbau mit Kartoffeln, Getreide, Hokkaidokürbissen und anderen Feldfrüchten.

Dem Grundsatz der Kreislaufwirtschaft entsprechend werden nicht mehr Tiere auf dem Biolandbetrieb gehalten, als die Ackerflächen an Futter hergeben. „Heute halten wir eine 25-köpfige Mutterkuhherde mit einem Zuchtbullen und ihrem Nachwuchs. Im Sommer sind unsere Rinder komplett draußen auf den Weiden. Im Winter stehen sie zum Teil im Stall auf Stroh und fressen Heu und Silage“, erklären Eva und Jan. Die Herde besteht vor allem aus Angusrindern, einer Fleischrinderrasse, und Rotbunten Kühen. Ein kleines, selbst gebautes „Hühnermobil“ mit 50 Hühnern bietet den Hofkunden frische Eier.

Rund 130 Hektar Gesamtfläche werden heute auf dem Hof bewirtschaftet. Davon sind 70 Hektar Ackerland, 20 Hektar Grünland sowie insgesamt 40 Hektar Wald. Das Haupteinkommen wird durch den Kartoffelanbau erzielt. Aber auch Druschfrüchte wie Dinkel oder Weizen sind fester Bestandteil der Fruchtfolge.

„Kultgemüse“ – jeder pflegt seinen eigenen Gemüsegarten

Vor zwei Jahren haben die Meyerhoffs mit einem neuen Projekt begonnen – „Kultgemüse“. Idee des Projektes: jeder kann zum Gärtner werden, seine eigene Parzelle pflegen und dort Gemüse anbauen. Auf dem Gemüsefeld wachsen mehr als 25 verschiedene Gemüsesorten. Die Parzellen sind an Familien und Einzelpersonen vergeben, die vom Frühjahr bis zum Herbst dort selbst ernten und „ackern“. Im Jahr 2016 haben 45 Familien (130 Personen) je eine Gemüseparzelle von 50 Quadratmetern bewirtschaftet.

Der Oesenhof pflanzt und sät vor Beginn der Saison mehr als 25 verschiedene Gemüsesorten. Nach der Übergabe der Parzellen Mitte Mai erhalten die „Kultgärtner“ wöchentlich Informationen und Anleitungen: „Vergesst nicht, Eure Radieschen zu ernten, sie fangen sonst an zu schießen und blühen dann“ oder „Eure Gurken und Paprikapflanzen danken es Euch, wenn sie nochmals mit der Gießkanne eine extra Portion Wasser bekommen.“ Mit diesen Informationen versorgt, können auch Menschen ohne grünen Daumen eigenes Biogemüse anbauen und ernten. Direkt vor Ort stehen Hacken, Spaten, Gießkannen und auch Kindergeräte bereit. Wie oft und wann die Pächter ihr Stück Land pflegen, ist jedem selbst überlassen. „Investiert man rund anderthalb bis zwei Stunden in der Woche, hat man seine Gemüseparzelle gut im Griff“, Eva Meyerhoff. Bei Trockenheit bewässert der „Oesenhof“ die Felder. Wer abgeerntete Lücken erneut bepflanzen möchte, erhält zu bestimmten Zeiten Jungpflanzen und Saatgut.

Ein Konzept, das aufgeht: Die Zahl der Pächter ist schon nach dem ersten Jahr von 30 auf 45 Pächter gestiegen. Dem Konzept liegt die Philosophie zugrunde, dass immer mehr der Zusammenhang zwischen dem, was wir essen und dem Wissen, wie und wo das Gemüse angebaut wird, verloren geht. „Wir wollen zurück zu den Wurzeln, zu dem, was früher ganz selbstverständlich war: gesunde Lebensmittel selbst anbauen“, sagt Eva. Damit liegt „Kultgemüse“ ganz im Trend des „urban gardening“, der „Slow Food“-Bewegung oder der Solidarischen Landwirtschaft. „Nah an der Natur sein, wissen woher das Gemüse kommt, ganz frisches Gemüse ernten und eigene Gärtnererfahrungen machen, das sind Hauptbeweggründe unserer Parzellennutzer. Manche sprechen dabei auch von Glück“, erläutert Eva Meyerhoff. Befragt danach, was für sie Glück bedeutet, meint Eva: „Draußen sein und die Hände in der Erde haben!“