Mit Haut und Haaren für Ökolandbau

Monika und Eckhard Tietke aus dem Wendland

Als wir Monika Tietke auf ihrem Hof im Wendland treffen, kommt sie direkt vom Kartoffelacker und ist gedanklich noch ganz bei den Eulen. Die Eulen von denen sie spricht, sind keine großen Vögel, sondern Schmetterlinge.

Diese Schmetterlinge sind jedoch gar nicht das Problem: Es sind deren Raupen, die große Löcher in die Kartoffeln hineinfressen. Monika steht bereits im seit 33 Jahren auf dem Kartoffelroder. Sie weiß, was es bedeutet, wenn die Eulen da sind: einen wirtschaftlichen Schaden von mehreren tausend Euro. Trotzdem ist Monika bereits nach kurzer Zeit wieder so, wie wir sie seit vielen Jahren kennen: energiegeladen, lustig, manchmal kritisch, vor allem aber mit ganzem Herzen engagiert für den Ökolandbau und die Menschen, die in der Bio-Branche arbeiten. Es geht Monika immer um die Menschen: „Wenn man sich versteht und miteinander kann, geht es einfach leichter. Das betrifft sowohl die Vermarktung als auch das gemeinsame Arbeiten.“



Schon als Monika als junge Germanistik- und Mathestudentin nach Gorleben kam, begeisterte sie sich für die pragmatische und zupackende Art der Landwirte, die – zusammengeschlossen in der „bäuerlichen Notgemeinschaft“ – ebenfalls gegen den Bau einer Endlagerstätte für radioaktiven Atommüll protestierten. „Während wir beim zehnten „sit in“ überlegten, wie der strategisch richtige Weg aussehen könnte, saßen die Bauern schon auf ihren Treckern und blockierten die Zufahrtswege nach Gorleben. Auf einer Demo habe ich mich dann prompt in einen der Landwirte verliebt und bin in der Region hängengeblieben.“ Als Monika zu ihrem Eckhard ins Wendland zog, bewirtschaftete dieser gemeinsam mit seinen Eltern die konventionelle Hofstelle – Viehhaltung inklusive.

Kooperation mit der Bohlsener Mühle

Für die Umstellung auf ökologischen Anbau war Monika die treibende Kraft, obwohl anfangs die gesamte Familie Angst vor einer Komplettumstellung hatte. 1978 übernahm Eckhard den Hof von seinem Vater. Zu dieser Zeit hatte Tietkes Hof mit Pachtflächen eine Betriebsgröße von 65 Hektar, für damalige Verhältnisse ein relativ großer Betrieb. Es wurde ausschließlich Futter für die Schweine angebaut, hauptsächlich Mais und Roggen, aber auch Kartoffeln für den Speise- und Stärkemarkt. Die Hauptausrichtung damals war die Schweinemast.

Dass Monika und Eckhard ihren Hof doch auf Bio umstellten, hing mit der Entscheidung von Volker Krause zusammen, nur Getreide aus ökologischem Anbau zu verarbeiten – damit war die Abnahme des Öko-Getreides der Tietkes garantiert. „Wir haben 1980 mit der Bohlsener Mühle umgestellt. Ohne Volker Krause hätten wir und viele andere den Schritt nicht gewagt. Ich erinnere mich, dass Volker damals zu uns sagte: „Baut so viel an, wie ihr könnt, ich nehme alles“, erzählt Monika schmunzelnd.

Parallel dazu hatte Eckhards Mutter bereits angefangen, Gemüse ohne Spritzmittel und chemischen Dünger anzubauen. Der Vertrieb entwickelte sich gut. Es gab kaum Mitbewerber, die Nachfrage stieg schneller, als die Möhren wachsen konnten. „Es war ein gewaltiger Schritt, einen ganzen Hof mit den anfallenden Mengen auf ökologischen Landbau umzustellen, ohne gesicherte Absatzwege über die Produktpalette zu haben. Aber wir wollten die Umstellung, die Art der Landwirtschaft hat uns sehr viel mehr zugesagt“, erklären Tietkes.

In dieser Phase wurde die Familie gefragt, ob der Betrieb für eine Prüfungsarbeit an der Universität in Witzenhausen zur Verfügung stehen würde. Das Thema: „Voraussetzung für die Umstellung auf ökologischen Landbau im Vergleich.“ Das Ergebnis war vernichtend: zu marktfern, zu spezialisiert, zu schlechter Boden, zu geringe Kapitaldecke. „Wir haben es trotzdem gemacht und es hat geklappt. Bereut haben wir es nie“, sagt Monika kämpferisch. „In über 30 Jahren ökologischer Landwirtschaft haben wir immer wieder neue Herausforderungen gemeistert.“

Keine „Landlust-Idylle“

Heute ist der 135 Hektar große Betrieb fast doppelt so groß wie 1978. Auf dieser Fläche werden rund 20 Hektar Kartoffeln, 20 Hektar Mais und Getreide angebaut. Vieh gibt es auf dem Hof nicht mehr. Monika und Eckhardt mussten sich frühzeitig damit auseinandersetzen, dass sie den Hof allein bewirtschaften und betreiben müssen. Das Ehepaar, dass sich die beiden Kinder frei für einen Beruf entscheiden können und sich nicht gezwungen sehen sollten, den Hof weiterzuführen. Und so ist es auch gekommen: Die Kinder haben andere Berufe gewählt. So wird die landwirtschaftliche Nutzung des Hofes nach Monika und Eckhard nicht weitergeführt.

Monika ist nicht besonders gut auf alles zu sprechen, was sich nach „Landlust-Idylle“ anhört. Ökologischer Landbau ist kein Hobby, bei dem es vorrangig um Natur- oder Selbsterfahrung geht, sondern ein ökonomischer Zweig der Landwirtschaft, der Existenzen sichern muss. Deshalb treibt Monika zur Stärkung des ökologischen Landbaus flankierende Maßnahmen im Handel voran denn: „Ohne entsprechenden Absatz und der damit verbundenen Vermarktungssicherheit können wir nicht produzieren.“