Natur & Umwelt

Unsere Mühle wurde schon lange bevor wir sie für das Verarbeiten unserer biologischen Getreide nutzen durften, mit natürlichen Energien des Flusses Gerdau betrieben. Sie erinnert uns immer wieder daran, schonend mit Energie und Ressourcen umzugehen. Ob Wasserkraft, Dinkelspelzenheizung oder Ökostrom. Bei unserem Energiekonzept setzen wir auf: Weniger, erneuerbar und selbstgemacht. Klimapositiv bis 2025. So einfach formuliert, so komplex sind die Maßnahmen um dieses Ziel zu erreichen.

Klimaneutrale Wärme

Mit den anfallenden Spelzen aus der Dinkelschälung erzeugen wir seit 2019 klimaneutrale Wärme für 75 Haushalte in Bohlsen. 2019 konnten wir so mit 380 Tonnen Dinkelspelzen 1.732 Mwh CO2-neutrale Wärme erzeugen. Dies sind 46% unseres derzeitigen Heiz- und Produktionswärmebedarfs. Gemeinsam mit den angeschlossenen Hauhalten konnten wir so 400 Tonnen CO2 oder 27,5% unserer jährlichen CO2e-Emissionen eingespart.

100% erneuerbarer & klimaneutraler Strom

Für das Mahlen unseres Getreides generieren wir ca. 120 Mwh Energie aus der Wasserkraft der Gerdau und sparen so 36 Tonnen CO2.
Auch die restlichen von uns benötigten 2.300 Mwh Strom, beziehen wir von unserem regionalen Stromversorger SVO. Durch diesen Strom aus Wasserkraft vermeiden wir weitere 975 Tonnen CO2e gegenüber dem Bezug aus dem deutschen Strommix.

Biolandwirtschaft & ihr Potenzial für Klimaschutz

Ökologische Betriebe erzeugen im Durchschnitt etwa 40% weniger CO2 pro Hektar als konventionelle Betriebe. Dies resultiert hauptsächlich aus dem Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutz- und Düngemittel. Der größte Vorzug des Ökolandbaus in Bezug auf den Klimaschutz zeigt sich jedoch bei den Humusbilanzen. So begünstigt der Ökolandbau die Entstehung von Humus, wodurch 12-15% mehr CO2 gebunden wird (ThünenReport 29). Diese Zahlen konkret für unsere Rohstoffe in Zahlen zu fassen ist schwierig, denn bisher fehlen uns meist die konkreten Daten.

Gemeinsam mit der Bioland Stiftung und ca. 10 Partnerlandwirten wollen wir dies nun ändern: Im Projekt Boden.Klima entwicklen wir ein System zur Kompensation von CO2 durch den bewussten Aufbau von Humus auf den Äckern. Denn die Wissenschaft geht davon aus, dass ein Hektar Boden ca. fünf Tonnen CO2 binden kann. Damit liegt das CO2-Bindungspotenzial unserer Getreidelieferkette bei ca. 35.000 Tonnen CO2 pro Jahr.

Bis 2025 klimapositiv

Bis 2025 wollen wir keine Emissionen mehr am Standort emittieren und die Emissionen in der Lieferkette detailliert erfassen, um das entstandene CO2 im Humus auf den Äckern unsere Landwirte wieder zu binden.
Unsere Strategie sieht kurzfristig vor, sechs Elektroladesäulen, Fahrgemeinschaftsparkplätze in bevorzugter Lage zum Unternehmensgebäude und E-Fahrradstellplätze mit Lademöglichkeit zu installieren. So wollen wir 20% der CO2-Emissionen unserer Mitarbeitermobilität bis Ende 2021 reduzieren.
Mittelfristig wollen wir in unserer Heizung mit 660 Tonnen Spelzen 2.500 Mwh Wärme erzeugen. Auch die Installation einer Solaranlage bis 2022 ist geplant. Denn auf 3000m2 unseren Dachflächen können wir ca. 420 Mwh Strom erzeugen. Dies sind ca. 15% unseres heutigen Strombedarfs.

Biologische Vielfalt

Ökolandbau sorgt für Fruchtwechsel auf dem Acker und erhält kleine Biotope wie Hecken und Wiesen. Auch Ackerwildpflanzen können auf den biologischen Feldern wachsen und so zu einer Vielfalt beitragen, welche Insekten und Vögel gerne besuchen.

Biologische Landwirtschaft kann mehr!

Durch den Erhalt von kleinen Biotopen wie Hecken und bietet der Ökolandbau 30 % mehr Vögeln, Insekten oder Wildkrautarten eine Heimat. Und auf einem Quadratmeter ökologisch bewirtschaftetem Feld finden sich im Schnitt 277 Blüten. Auf der gleichen konventionell bewirtschafteten Fläche gibt es max. drei geöffnete Blüten. Durch die von uns verarbeiteten 15.500 Tonnen Getreide aus deutschem biologischem Anbau fördern wir weit mehr als 13 Mrd. Blüten.
Um herauszufinden, ob und welchen Mehrwert der ökologische Getreideanbau speziell in unserer Region für die Artenvielfalt hat, haben wir gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen (KÖN) und der regionalen Erzeugergemeinschaft ÖkoKornNord eine Vergleichsuntersuchung von
zehn biologischen und zehn konventionellen Äckern gemacht. Das Ergebnis: Die Artenvielfalt der ökologisch bewirtschafteten Schläge erreicht 216% der Artenvielfalt der konventionell bewirtschafteten Schläge. Auf vier der Bio-Flächen konnten sogar Blütenpflanzen der Roten Liste Niedersachsens belegt werden, von denen drei Arten als stark gefährdet (Lämmersalat, Saat-Hohlzahn, Acker-Rittersporn) und zwei Arten als gefährdet (Acker-Zahntrost, Wiesen-Pippau) gelten.

Mehr Biodiversität auf Bio-Äckern

Biologische Landwirtschaft ist bereits ein wichtiger Beitrag für Artenvielfalt und Biodiversität. Wir sind davon überzeugt, es geht noch mehr: Deshalb unterstützen wir unsere Landwirte bei ihrer Arbeit im Naturschutz und Biodiversitätsförderung mit regional angepassten Blühstreifenmischungen oder Informations- und Diskussionsveranstaltungen zu Themen wie enkeltauglicher Landwirtschaft. In Kooperation mit dem KÖN engagieren wir uns durch Beratungs- und Besichtigungsveranstaltungen für umstellungsinteressierte Landwirte auch für den Ausbau der ökologischen Landwirtschaft und damit für mehr Artenvilefalt und Biodiversität.

Ackergifte nein danke!

Als Bündnispartner des „Bündnis für enkeltaugliche Landwirtschaft“ (BEL) und der Kampagne „Ackergifte? Nein danke!“ haben wir 2019 bei uns auf dem Firmengelände an einer deutschlandweiten Studie zur Ermittlung der Luftbelastung teilgenommen. Untersucht wurde das ubiquitäre Vorkommen von 500 Pestiziden.
Nun sind die Ergebnisse da: Die TIEM-Pestizid-Studie zeigt, dass Pestizide auch an Orten nachgewiesen werden, an denen wir sie nicht erwarten: In Naturschutzgebieten, mitten in Berlin und auf Bio-Äckern. „Pestizide bleiben auf dem Acker, haben wir geglaubt“ und „Ackergifte kommen niemals in die Stadt, hat es geheißen.“ Was genau die Studie zu diesen Aussagen herausgefunden hat, findest du auf der Seite der von Ackergifte? Nein danke! Was klar ist: Pestizide bleiben nicht da, wo sie ausgebracht werden.
Wir selbst kaufen, verarbeiten und produzieren 100% biologische Lebensmittel und fördern damit eine Landwirtschaft, welche ohne Ackergifte auskommt.

 

(Re)regionalisierung

Neben unserem Engagement für die Ackerwildkräuter innerhalb der Feldkulturen setzen wir uns auch stark für die Vielfalt von heimischen Kulturen ein. Die persönliche und geografische Nähe zu unseren Landwirten macht es möglich, gemeinsam Rohstoffe zu (re-)regionalisieren, die heute meist aus dem fernen Ausland importiert werden. Dazu gehören unter anderem ehemals übliche Anbaufrüchte wie Buchweizen und Leinsaat, aber auch Quinoa. Denn wir wissen, dass der Anbau mehrerer Fruchtarten mit unterschiedlichen Aussaat- und Erntezeiten sowie Wachstumsverläufen eine hohe Artenvielfalt in unserer Kulturlandschaft ermöglicht. Und nur das, was wir als Verarbeiter nachfragen, kann von Landwirten und Landwirtinnen auch angebaut werden.